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Was ist GFK?
Eine Einführung für Anfänger und Einsteiger, Dezember 2005
Aus einem Interview
mit Marshall
Rosenberg
DH: "Als Background-Info für unsere Zuhörer, wie definieren Sie
"Gewaltfreie
Kommunikation?"
MR: "Es ist eine Kommunikation, die uns mit Menschen auf eine
Art und Weise ver-
bindet, dass es Freude macht, einander das Leben schöner zu machen
und es ist
eine Kommunikation, die solche Menschen nicht unterstützt, die einander
verletzen
möchten."
DH: "Und was ist der Zweck, das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation?"
MR: "Sie verbindet die Menschen so miteinander, dass es Ihnen
ermöglichst, den
anderen zu beschenken, freiwillig das Leben des anderen zu bereichern
und jed-
weden Konflikt zu lösen, der entsteht ohne irgendwelche Gewalt zu
gebrauchen." |
Gewaltfreie Kommunikation kann helfen:
o) mit den eigenen Gefühlen und
Bedürfnissen im Jetzt in Kontakt zu kommen (Selbstklärung)
o) die eigenen Bedürfnisse und Bitten möglichst so ausdrücken, dass
mir mein Gegenüber mit höherer Wahrscheinlichkeit bei der Erfüllung
hilft (Kooperation)
o) dem anderen einfühlsam zu begegnen, ihm wirklich zuzuhören, so
dass er erleichtert ist, sich verstanden fühlt (Empathie)
o) in Konflikten als dritte Partei effektiv zu vermitteln, einen Weg
zu finden, wie die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt werden (Mediation)
o) in eigenen Auseinandersetzungen menschlich und respektvoll zu bleiben
und ohne innere Feindbilder einen Weg zu finden, wo die Bedürfnisse
aller Beteiligten berücksichtigt werden (Konfliktmanagement) |
Dennoch ist die Gewaltfreie Kommunikation kein Wunderwuzzi oder eine eierlegende
Wollmichsau, aber ein sehr wirksames Hilfsmittel und Wegweiser für
Klärungen in mir
sowie zwischen mir und anderen.
Wichtig ist mir hier die Unterscheidung zwischen GFK als Technik und
GFK als Haltung.
GFK als Technik beinhaltet im wesentlichen das Vier-Schritte-Modell,
einer Anleitung,
wie ich mich in einer kooperationsfördernde Art und Weise ausdrücken
kann und wie ich den anderen verstehen kann, ihm wirklich zuhören
kann, nicht nur seine Worte nachbrabbel oder etwas hineinanalysiere.
Diese Technik hat nichts mit Manipulation zu tun, kann aber leicht
dafür missbraucht werden. |
GFK als Haltung beinhaltet den Wunsch nach Wertschätzung, Respekt, Freiwilligkeit,
Selbstverantwortung, gegenseitige Unterstützung und echter Begegnung:
o) Ich bin auf der Suche nach einer Lösung, die die Bedürfnisse aller
Beteiligten berücksichtigt, ich glaube an die gute Absicht des Menschen,
dass sein Handeln den derzeit besten Versuch darstellt, gut für sich
zu sorgen oder seine Bedürfnisse befriedigt zu bekommen (Akzeptanz).
o) Ich bin kraftvoll und im Kontakt mit mir selbst, wenn es darum
geht, für mich und meine Werte einzustehen (Selbstbehauptung)
o) Ich möchte, dass mein Gegenüber mir nur dann meine Bitten erfüllt,
wenn es aus einer Energie der Freude, der Freiwilligkeit kommt, in
der Art und Weise wie Kinder Enten füttern (Freiwilligkeit
+ Bedürfnis, das Leben anderer zu bereichern)
o) Ich bin bestrebt, einen partnerschaftlichen
Umgang zu pflegen
o) Ich bin bereit zur Erreichung all dieser Ziele an mir zu arbeiten,
mich auf den Lernprozess einzulassen (Bereitschaft
zu Lernen und zu Wachsen). |
Eine Haltung ist schwierig zu beschreiben, spirituell passt sie für mich
in den Satz eines
gekreuzigten Mannes: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst."
oder wie eine Kurzfassung der allgemeinen Menschenrechte, ohne dass
diese Haltung nur einer bestimmten Religion oder Weltanschauung gehört.
Ein anderer Versuch die Haltung der GFK zu beschreiben, finden Sie
hier |
Wie kann ich mehr darüber erfahren, wie kann ich das lernen?
o) das Buch von Marshall Rosenberg
"Gewaltfreie Kommunikation" kaufen/ ausborgen und lesen
o) ein Seminar von Marshall Rosenberg besuchen (Infos über seine Seminare
finden Sie hier)
o) Trainings bei zertifizierten Trainern oder Trainern im Zertifizierungsprozeß
besuchen (Liste Trainer in Europa finden sie hier)
o) an Übungsgruppen teilnehmen
o) weitere Materialien zum Thema GFK besorgen, durcharbeiten (im
deutschspr. Raum/ weltweit)
und es dann im Alltag anwenden, damit experimentieren, die Kraft dieser
Technik und Haltung selbst erleben und in das eigene Lebenskunstwerk
integrieren oder wieder rausschmeißen, wenn es nicht passt. |
Die Technik der Gewaltfreien Kommunikation ist total simpel, einfach und
doch unheimlich schwierig zu lernen, weil uns seit den ersten Lebensmonaten
etwas anderes beigebracht wurde.
Sie basiert auf vier Schritten:
1) Wahrnehmung
2) Gefühl
3) Bedürfnis
4) Bitte
und kann entweder als Wegweiser für den Selbstausdruck
(ich rede von mir/ über mich)
oder als Orientierungshilfe für das Zuhören, das Verstehen des Gegenüber
(Du redest von Dir/über Dich) verwendet werden.
Diese vier Schritte können auf drei
verschiedenen Positionen angewandt werden:
1) Selbstklärung (Giraffenohren
nach Innen)
2) Selbstausdruck (Giraffenmund)
3) Empathie/ Zuhören (Giraffenohren
nach außen)
Der Rahmen für die drei verschiedenen Positionen ist die Gegenwart,
das Hier, Jetzt und So sowie der Wunsch nach einer Herzensverbindung,
einem einander Verstehen. Ohne diesen Rahmen wird aus der GFK nur
eine Technik, die eingesetzt wird, um bestimmte Ziele zu erreichen,
nicht eine Form der wirklichen Begegnung und wertschätzenden Verbindung.
Nun möchte ich näher auf die vier Schritte eingehen, die Grundtechnik
der GFK: |
Was sind Wahrnehmungen?
Beschreibungen von Wahrnehmungen,
die von jedermann in der jeweiligen Situation akzeptiert werden kann,
die keine Bewertung oder Abwertung beinhaltet und am besten objektiv
messbar sind. Als Bilder können helfen, sich vorstellen eine Videokamera
zu sein oder wissenschaftlich objektiv ein Verhalten zu beschreiben.
Statt: "Du kommst zu spät!", würde ich vorschlagen: "Du
kommst um 12.20. Wir hatten 12 Uhr vereinbart."
Statt: "Du bist ein guter Mensch!", würde ich vorschlagen:
"Ich habe gesehen, wie du dem Bettler dort ein paar Münzen in
den Hut geworfen hast"
Statt: "Immer das gleiche mit dir, du weichst mir einfach aus!",
würde ich vorschlagen: "Am Mittwoch und gestern hatte ich dich
jeweils gefragt, ob du mit mir am Sonntag mittag essen gehen möchtest
und beide Male hast du gesagt, dass du unsicher bist und eigentlich
viel zu tun hättest und ich dich ja noch mal fragen könnte." |
Was sind Gefühle?
Gefühlswörter
drücken eine emotionale Befindlichkeit aus, ohne auf einen Verursacher oder eine Handlung hinweisen. Sie werden am
meisten in folgenden Worten ausgedrückt: "Ich bin + Gefühlswort
", z.B. "Ich bin traurig."
Gefühle werden meist durch das Denken ausgelöst, haben aber ihre Ursache
in erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnissen, sie zeigen somit an,
ob wir etwas brauchen oder nicht.
Gefühle zeigen an, dass bestimmte Bedürfnisse erfüllt oder nicht erfüllt
sind.
Statt: "Ich fühle mich
von dir nicht verstanden!", würde ich vorschlagen "Ich bin enttäuscht, weil ich gerne verstanden werde..."
Statt: "Ich habe das Gefühl,
du magst mich nicht.", würde ich vorschlagen "Ich bin unsicher oder traurig, weil ich Liebe brauche..."
eine Übersicht über "echte" Gefühlswörter finden Sie hier |
Was sind Bedürfnisse?
Bedürfniswörter
stellen den Kontakt zu der menschlichen/ göttlichen Lebensenergie
im Jetzt her. Bedürfnisse sind Werte, all das, was uns im Leben wichtig
und bedeutsam erscheint. Bedürfnisse selbst sind abstrakt,
allgemein, allzumenschlich, das heißt, sie werden prinzipiell von
allen Menschen geteilt (treten nur teilweise in unterschiedlichen
Situationen auf) und somit auch unabhängig von einer bestimmten Situation
oder Person
Statt: "Jetzt höre doch
endlich auf zu Rauchen", würde ich vorschlagen "Mir liegt Deine Gesundheit am Herzen."
Statt: "Arschloch!",
würde ich vorschlagen: "Mir
ist Respekt und Wertschätzung wichtig."
Statt: "Lass mich endlich
in Ruhe!", würde ich vorschlagen: "Mir
ist Autonomie wichtig."
eine Übersicht über "echte" Bedürfnisse finden Sie hier |
Was sind Bitten?
Bitten
sind Strategien, wie wir die Bedürfnisse im Jetzt erfüllen können.
Sie sind konkret, spezifisch, positiv formuliert, bezeichnen
eine bestimmte wahrnehmbare Handlung von einer bestimmten Person.
Sie dienen als Strategie der Erfüllung eines Bedürfnisses und werden
im Geiste der Freiwilligkeit gestellt, d.h. wenn die betreffende Person
"nein" sagt, wird sie dafür nicht bestraft.
Statt: "Ich möchte, dass
du mich liebst!", würde ich vorschlagen "Ich
möchte, dass du mich einmal am Tag in den Arm nimmst."
Statt: "Ich brauche mehr
Freiraum.", würde ich vorschlagen: "Ich möchte am Dienstag Abend mit meinen Freunden Bowlen gehen."
Statt: "Ich mag keine Geheimnisse
darüber.", würde ich vorschlagen "Bist du bereit mir zu sagen, was du bzgl des Themas Treue fühlst und
brauchst?" |
Wie hängen nun die vier Schritte zusammen?
Während
die einzelnen Schritte so was wie die Wörter der Giraffensprache sind,
also reine Gefühls- und Bedürfniswörter wie Vokabeln gelernt werden
könnten, so ist die Kombination, der Ablauf der vier Schritte in dieser
Reihenfolge, so etwas wie die Grundgrammatik der GFK, der Satzbau.
Dabei können die vier Schritte jeweils in den drei Positionen
angewandt werden, als
Selbstklärung und Selbstausdruck
* Ich sehe.... und fühle...
weil ich brauche... könntest du bitte?
oder als Zuhörangebot/
Empathie:
* Du nimmst wahr, dass... und
fühlst... weil du brauchst... und deine Bitte wäre...?
Gleichzeitig hat dieser Satzbau auch einen psycho-logischen Hintergrund,
ist ähnlich wie die "normale" Sprache Ausdruck eines bestimmten
Weltbildes, indem die Bedürfnisse mit einem "weil" eingeleitet
werden: " Du bist traurig, weil du Respekt brauchst?"
So wird die Ursache des Gefühls in dem erfüllten oder nicht erfüllten
Bedürfnis gesehen, nicht mehr in dem Auslöser, der Wahrnehmung, die
nur als zeitliche Komponente betrachtet wird: "Wenn... ".
Wichtig ist auch das Fragezeichen am Ende des Zuhörangebotes. Es ist
eine Vermutung, ein Angebot, keine Feststellung. Ich kann nicht "wissen",
was ein anderer fühlt und braucht, ich kann es nur erspüren.
Das ist alles. Eine detailiertere Übersicht finden Sie hier.
So einfach und doch so schwierig, es in der Praxis umzusetzen.
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Was sind die Probleme, einige Schwierigkeiten im Lernprozess?
o) Verwechslung oder Vermischung
von Wahrnehmungen und Beobachtungen
o) unklarer Ausdruck der eigenen Gefühle
o) Verwechslung oder Vermischung von Bedürfnissen und Bitten
o) fehlendes Bewusstsein über den Unterschied zwischen Forderungen
(sanktioniert) und Bitten (freiwillig)
o) Verwechslung von Auslöser (das wahrnehmbare Verhalten/ Ereignis)
und Ursache (das nicht erfüllte Bedürfnis) |
Marshall Rosenberg nennt auch diese Art zu kommunizieren "Giraffensprache",
Giraffen-
sprache deshalb, weil die Giraffen die Landsäugetiere mit dem größtem
Herzen sind, sie
durch ihren langen Hals einen guten Überblick haben, sie fast keine
natürlichen Feinde
haben und sanft aber dennoch kraftvoll sind. Raubkatzen greifen Giraffen
nur selten an, weil ein Huftritt sie töten kann.
Eine Freundin von mir war in Afrika auf einer Safari und hat mir erzählt,
dass einige Giraffen, vor allem die Bullen manchmal so geknickte Hälse
haben. Das kommt daher, weil sie von den Kämpfen untereinander um
die Begattung her rühren. Also ganz gewaltfrei sind sie nicht ;-)
Unsere bisherige Form zu kommunizieren nennt Rosenberg Wolfssprache
oder Schakalsprache und dieser Ausdruck hat erstmal nichts Abwertendes
oder Negatives. Er versucht nur zwei griffige Bilder zu finden, um
die Unterschiede deutlich zu machen.
Es geht also nicht darum, die Wolfssprache auszumerzen oder den inneren
Wolf zu töten.
Nein, man lernt nur eine Sprache dazu, wie das Englische neben dem
Deutschen. Und wenn ich mich dann im Ausland aufhalten möchte, kann
ich mich zumindest auch so unterhalten.
Ich gewinne etwas dazu, ohne das Alte aufgeben zu müssen. Und wenn
mir das Ausland so gefällt, dass ich dorthin ziehen möchte, habe ich
zumindest die sprachlichen Vorraussetzungen dafür.
Rosenberg zitiert gerne den Ausspruch einen islamischen Mystikers
(wahrscheinlich Rumi):
"Ich sehe dich wieder in einem Land jenseits von falsch und richtig.
Dort will ich dir begegnen!" (sinngemäß aus dem Kopf zitiert).
Giraffen leben in einer anderen Welt als Wölfe oder sie sehen die
Welt mit anderen Augen und Herzen. Für Giraffen gibt es nur Giraffen,
Menschen, die bestimmte Bedürfnisse haben, dieses versuchen zu erfüllen
und einen echten Herzenskontakt wünschen. Es gibt kein falsch oder
richtig, sondern nur ein Verbundensein mit der Lebendigkeit in mir
oder nicht. Es ist eine Weite des Herzens, eine innere Gelassenheit
und natürliches Mitgefühl/ Engagement für den Nächsten.
Mehr zu den Unterschieden zwischen Giraffen- und Wolfssprache finden
Sie hier.
So, das war jetzt nur eine kurze Einführung in die GFK, wenn Sie mehr
darüber erfahren möchten, bitte besorgen Sie sich das Buch von Rosenberg
oder besuchen eines meiner Trainings oder das anderer kompetenter
Trainer.
Links zu GFK-Netzwerken, Organisationen und Yahoo-Emailforen finden
Sie hier
Viel Vergnügen beim Lernen und Entdecken! |
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